Neugier, Begeisterung und rege Diskussionen bei der ausgebuchten landesweiten Fachtagung des jfc Medienzentrums am 20.9.2017 in Köln

22.09.2017

Neugier, Begeisterung und rege Diskussionen bei der ausgebuchten landesweiten Fachtagung des jfc Medienzentrums am 20.9.2017 in Köln„Aufwachsen in digitalisierten Lebenswelten – Medien, Tools und Methoden für die Jugendarbeit“

Die „neuen Medien“ sind nicht neu – zumindest für Jugendliche nicht – so viel ist klar. Ihr Kommunikations- und Mediennutzungsverhalten ist „Das neue Normal“, auf das sich die pädagogische Praxis beziehen muss. Was ist da zu tun? Wie gelingt es in der Praxis? In ihrer Begrüßung stellte Gerda Sieben, Leiterin jfc Medienzentrum heraus, dass junge Menschen legitime Entwicklungsinteressen mitbringen: sie wollen sich selbst ausdrücken herausfinden, wer sie sind und sein wollen, mit anderen kommunizieren und letztlich an gesellschaftlichen Chancen partizipieren. Dazu nutzen sie Medien intensiv. Fachkräfte sind herausgefordert, die technischen Veränderungen zu kennen und soziale Themen, Interessen und Konflikte rund um die Digitalisierung aufzugreifen. Sie können Jugendlichen zeigen, wie sie Medien kritisch und fair nutzen können und dabei besonders diejenigen unterstützen, die das nicht spontan schaffen.
Andrea Köper, vom Amt für Kinder, Jugend und Familie, Abteilung Kinderinteressen und Jugendförderung der Stadt Köln, betonte in ihrer Begrüßung, dass Medienkompetenz ein wichtiges Ziel für die Kölner Jugendförderung sei und aus diesem Grund Fachkräfte gut vernetzt und regelmäßig unterstützt werden sollen, so wie das z.B. mit dem Projekt UPLOAD möglich sei.

Kunst&Kabel
Ein neuer methodischer Zugang zur digitalisierten Lebenswelt ist das „Making“. Hier werden analoge und digitale Techniken verbunden. In einer Werkstatt (FabLab) können neue, fantasievolle Produkte hergestellt werden. Making bietet vielfältiges Bildungspotenzial, stellte Prof. Dr. Isabel Zorn, TH Köln, in ihrem Input heraus. Sie beschrieb das Forschungskonzept „Fablab mobil“, welches von 2015 bis 2017 vom jfc umgesetzt wurde und machte anhand von Zielformulierungen der Sozialen Arbeit deutlich, dass Making große Potenziale für die Erreichung dieser Ziele aufweist. Festgehalten sind die Forschungsergebnisse des Praxisforschungsprojekts in der neuen Publikation „Kunst & Kabel: Konstruieren. Programmieren. Selbermachen.- Bausteine für pädagogisches Making in der Jugendmedienarbeit“, in der es umfangreiches Material in der Verbindung von Praxis und Forschung gibt: von Making-Methoden zur Förderung von Selbstwirksamkeitserfahrungen über eine theoretische Einbindung bis hin zu ganz praktischen Tipps zu Fablabs, Tools und Tutorials.

Immer on!
Der Puls von Erwachsenen schnellt oft hoch, wenn Medien intensiv genutzt werden, sei es im Jugendzentrum, Elternhaus, der Schule oder dem Spielpatz. Einen unaufgeregten Blick darauf empfahl Markus Gerstmann, ServiceBureau Jugendinformation Bremen. Er stellte die diversen Aktivitätsformen von Apps über YouTube bis zu Games vor und riet Fachkräften, Jugendliche als Experten für ihre Nutzungspraxis anzusprechen, sie ohne moralischen Zeigefinger nach dem Reiz und ihren Erfahrungen zu fragen. So können die Bedürfnisse hinter der Nutzung erkannt und ernst genommen werden. Sofern es hier Probleme gibt, (Mobbing, Extremismus, Manipulation...) könne Pädagogik reagieren. Dazu müssen sich die Fachkräfte immer wieder auch Fragen der (Medien)- Ethik stellen. Das wurde u.a. an den Diskussionen an Thementischen deutlich. Zu Themenfeldern geclustert ergab sich folgendes Bild: Jugendliche sind mit der Befriedigung ihrer Entwicklungsbedürfnisse (Respekt, Rollenfindung, Aufmerksamkeit, Kreativität,..) beschäftigt. Fachkräfte erleben sich als Wegweiser und Berater, bieten Anregung und Motivation, bauen eine Beziehungsebene auf, fördern Kompetenzen, moderieren in Konflikten, helfen bei der Orientierung im Bereich Kultur, Inklusion, Gender und Partizipation. Dabei spielen Medien eine wichtige Rolle, aber es fehlen ihnen oftmals Methoden, die medienethische Orientierung praktisch umsetzbar machen.
In Workshops konnten die teilnehmenden Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen der Jugend(sozial)arbeit nachmittags solche Methoden kennen lernen.

Ausblick:
Unter den überwiegend positiven Rückmeldungen der Fachkräfte wurde vielfach der Wunsch nach weiterer, praxisbezogener Auseinandersetzung mit Digitalisierung geäußert. Diesem möchte das jfc Medienzentrum in zwei UPLOAD! Fortbildungsworkshops für Fachkräfte nachkommen:

18.10. 2017 – Besser machen!
Im Makerspace Origami-Lampen aus recyceltem Material tüfteln, 3D gesketchte Ersatzteile drucken oder im Rapid-Prototyping-Verfahren den „Roboter für eine bessere Welt“ bauen. Der Workshop bietet einen praktischen Einblick in Making.
Mittwoch, 18. Oktober, 12:00-18:00

8.11. – Big Data – Methoden für die Praxis
Algorithmen spielerisch verstehen lernen, Zukunftsszenarien schaffen und mit imaginären Datensätzen Start-Up-Ideen entwickeln. Es werden Spiele und Methoden für die Jugendarbeit vorgestellt, die sich mit der massenhaften Datensammlung und ihren gesellschaftlichen Folgen auseinandersetzen.

Alle Bilder sind hier zu sehen:
http://www.jfc.info/foto-id45-127-seite=3#foto
von E.Lordieck

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